Sie sind hier: Die Santur
Weiter zu: Persische Musik
Allgemein: Kontakt Impressum/Datenschutz Sitemap

Die Santur/Santoor/Santour

Die Geschichte der Santur/Bau/Spieltechnik/Stimmung


Die Geschichte der Santur

Der Name Santur (alte Form Santir) leitet sich vom griechischen Wort „Psalterion“ ab und wurde auf ein Instrument übertragen, das schon aus assyrischen Darstellungen bekannt war, und dessen Saiten geschlagen wurden.

Dieses Instrument entwickelte sich dann im mesopotamisch-iranischen Raum weiter bis zur heutigen Form. Der Name „Psalterion“ (lat. Psalterium) galt für ein halsloses Saiteninstrument ohne Griffbrett, dessen leere Saiten entweder geschlagen oder gezupft wurde (Psalterium im engeren Sinne=zupfe) im arabisch-islamischen Raume unter der Bezeichnung „Qanun oder Kanoun“ (von griechisch Gesetz) parallel zur Santur – aber auch getrennt von ihr weiter. Es gelangte unter dem Namen “Psalterium“ über Nordafrika nach Spanien (1184 Darstellung am Kirchenportal von Santiago de Compostela) und von dort nach Mitteleuropa. Nach Sachs wanderte es dann weiter nach Ost- und Südosteuropa (unter der Bezeichnung „Cymbalum“), und schließlich erschien die geschlagene Form des Psalteriums unter der Bezeichnung „fränkische Santur“ – neben der „türkischen Santur“ – um 1850 in Kleinasien.

Der deutsche Name „Hackbrett“ kam erst im 16. Jahrhundert auf, da das Instrument vorher „Timpanon“ genannt worden war und erst im 15. Jahrhundert durch ausgewanderte Slawen und Zigeuner aus dem byzantinischen Kulturraum in Mitteleuropa bekannt wurde. Daher stammt auch die italienische Bezeichnung „deutsches Psalterium“ für diese Instrumentengattung, die man - eben unter der Bezeichnung „Psalterium“ in Südeuropa nur in ihrer gezupften Art kannte.

Das Hackbrett ist in Byzans um die Mitte des 12 Jahrhunderts belegt und heute gibt es in Griechenland noch ein Hackbrettinstrument namens „Sanduri“, das die griechischen Flüchtlinge in den 20er und 30er Jahren mitbrachten.

In Mitteleuropa kam das Hackbrett schon im 16. Jahrhundert langsam aus der Mode. Ein Instrumentenbauer namens Pantaleon Hebenstreit aus Merseburg konstruierte um 1690 ein Hackbrett von 4-facher Größe und acht Resonanzböden, woraus sich schließlich das Hammerklavier entwickelte. Im 17./18. Jahrhundert trat das traditionelle Hackbrett noch vereinzelt in vornehmeren Kreisen auf, während es in Ost-Mitteleuropa (Ungarn, Rumänien, Slowakei und Mähren) weiterhin beliebt war und als Cimbalongespielt wurde (Cymbal, Zimbel wurde in seiner heutigen Form vom Budapester Instrumentenbauer József Schunda geschaffen): Es war ein großes Hackbrett auf vier Beinen ruhend und mit Dämpfpedal versehen. Es ist in den dortigen Ensembles weniger Soloinstrument als ein Harmonieinstrument, auf dem die jeweiligen melodischen Phrasen mit gebrochenen Akkorden mehr oder minder virtuos harmonisch unterstützt werden.

Laut Sachs soll das Hackbrett dann um 1800 von Europa aus unter dem Namen Yang Ch´in („fremde Zither“) nach China gekommen sein, und von dort zu den Mongolen und Burjäten. Dem steht jedoch gegenüber, dass sich die Santur direkt von Persien aus weiter nach Osten (Afghanistan, Indien, Zentralasien) verbreitet hat. Seit jeher war Zentralasien nämlich ein wichtiger Kulturraum islamisch-iranischer Zivilisation, wie das Samanidenreich von Buchara und die Nachfolgereiche der Ghasnawiden und Ghoriden (14.- 16. Jahrhundert) bezeichnen, die einen Höhepunkt iranischer Kultur darstellten. Danach etablierten sich die zentralasiatischen Turkvölker in kleinen Reichen und übernahmen jene Kultur, wenngleich auch nicht mehr die in der Form einer universellen Weltkultur, sondern in national-provinziellem Rahmen.

Bau

Die iranische Santur besteht aus einem trapezförmigen Kasten aus Walnußholz. Es gibt vier verschiedene Größen, nämlich die Santur mit 12 Stegchen, die wir verwenden, und die mit 11, 10 und 9. Die letztere gilt als die traditionell klassische Form.

Die vierchörigen Saitengruppen führen über bewegliche Einzelstege.

Die Stegchen für die tiefergestimmten Saiten aus Messing sind nur 2 cm hoch und werden auf der rechten Seite im jeweils entsprechenden Verhältnis aufgestellt. Die 18 vierfachen Saitenchöre laufen abwechselnd links und rechts über die Einzelstege, einmal ein Chor aus Stahl von links, einmal ein Chor aus Messing von rechts, so daß zwei wie die Finger gefalteter Hände verschränkte Saitenebenen entstehen.

Zum Abschluss muss erwähnt werden, dass die genaue Größe der Santur nicht festgelegt ist und abhängig vom Instrumentenbauer, Auftraggeber oder der Tradition des Gebiets.

Spieltechnik

Die Saiten der Santur werden mit zwei Hämmerchen oder Schlägeln angeschlagen. Sie werden an den Enden mit Daumen und Zeigefinger festgehalten, während der Mittelfinger sie von unten her stützt und mitbewegt. Im Gegensatz zu den Schlägeln von türkischen und indischen Instrumenten wie auch vom Salzburger Hackbrett sind die Persischen sehr leicht und prallen nach dem Anschlag nicht von alleine zurück. Dies erfordert vor allem beim Tremolo eine gute Beherrschung der schnell abwechselnden Bewegung des rechten und linken Handgelenks. Das Tremolo wird sehr oft gespielt und als Klangteppich" benutzt. Um den Klang zu variieren werden oft die Schlägel mit Watte umwickelt, wodurch der Klang sehr weich wird. Mit Filz umwickelt klingen die Schläge noch immer weich, ermöglichen dann aber einen differenzierten Anschlag.

Eine andere Möglichkeit, die manche Musiker benutzen, ist, ein Tuch über dem Instrument auszubreiten, um den Klang auf diese Weise abzudämpfen. Auch kann der Klang geändert werden, indem mit der einen Hand - meist der rechten - gespielt wird und mit der anderen nach jedem Anschlag die Saiten gedämpft werden.

Stimmung

Wie vorher erwähnt teilen die Stege die Saiten in einem bestimmten Verhältnis. Die linken und größeren Stege teilen die höhergestimmten Stahlsaiten in einem Verhältnis 2 : 1, um eine Oktavstimmung zu erreichen. Die Zeichen "Koron" und "Sori" deuten das Vertiefen oder Erhöhen eines Tones um etwa einen Viertelton an. Die 9 Stegchensantur wird immer so gestimmt, dass der Musiker in einer bestimmten Melodiestruktur spielen kann und, wenn mehrere Modi während eines Konzertes benötigt werden, muss der Santurspieler auf mehreren Intrumenten mit entsprechender Stimmung spielen.

Die 12 Stegchensantur wird in unserer Formation verwendet. Sie wurde von Kamal Mazlumi chromatisch gestimmt und kann beim Bedarf durch das Verschieben der Stegchen in einer der iranischen Modi umgestimmt werden.

Text: Kosta Kontos